Sidi Larbi Cherkaoui und Gilles Delmas schufen die zon-mai auf Einladung der Cité. Sie fungiert als Botschafterin der Cité im Zuge ihrer Tourneen in Frankreich und im Ausland. Die Cité hat sich damit als neue, kulturelle Institution für Immigrationsgeschichte und Immigrationskulturen den Künstlern geöffnet.

Einen Darstellungsraum/ Ausdrucksraum für Künstler eröffnen

Mit der Schaffung seines Schwerpunktes „Künstlerisches und kulturelles Programm“ im Mai 2006 beschloss die Cité nationale de l’histoire de l’immigration Künstler einzuladen, deren Schaffen dezidiert von einer Reflexion über Immigration geprägt ist, die Fragen der Erinnerung und der Geschichte, der Identität, der Integration aber auch der Exklusion, der Distanziertheit zum andern oder der Schwierigkeit des Zugangs zu einer Kultur für alle mit ein beziehen.

Sidi Larbi Cherkaoui und Gilles Delmas nahmen die Einladung an und begannen die Cité zu entdecken. Sie berücksichtigten die Zielsetzung aber auch die Zwänge der neuen Struktur, beherbergt in einem prachtvollen historischen Bau, ungeeignet für szenische Kunst, und im Übrigen seit fast drei Jahre im  Umbau befindlich. Die Lust der beiden an dem Aufbau dieser Cité mitzuarbeiten war Antrieb genug um eine Lösung  für die äußerlichen Hindernisse zu finden. Ihre Antwort nahm die Gestalt dieser monumentalen und multimedialen Installation an, ein im wahrsten Sinne des Wortes „umgekehrtes“ Haus :  zon-mai [* in Verlan, französischen Jugendsprache in der die Silben umgekehrt werden,„la maison“ – das Haus]

Das Werk

Es versucht verschiedene Elemente die mit Immigration verbunden sind (die Konstruktion von Identität, des persönlichen Raums, das Teilen mit dem anderen, die Entdeckung eines neuen Universums), die aber ebenso Hindernisse für Integration sein können (das Risiko der Einsamkeit/Abgeschiedenheit/Isolation und der Einkapselung, das Unverständnis, das gegenseitige Misstrauen) darzustellen und über die Choreographie und ihre Einschreibung in eine Dauerschleife prägnant werden zu lassen.
Mit dieser Kreation, die am Schnittpunkt von Bewegung, visueller Kunst und Architektur liegt, hebt die Cité nicht etwa die Distanz die uns vom andern trennt hervor, sondern webt eine gemeinsame Geschichte aus unterschiedlichen Lebensstrecken.

Wanderbotschafterin – eine wandernde Botschafterin

Den Akteuren wurde im Zuge der Realisierung dieses Projekts bewusst, dass das Leben auf der Baustelle eine Metapher für den Parcours eines Immigranten sein könnte: der Ort für den die zon-mai entworfen worden ist, konnte sie bis vor kurzem noch nicht empfangen und so musste sich der Bestimmungsort von der zon-mai ändern. Nach einem gemeinsamen Beschluss ist die Installation Botschafterin der Cité geworden.
Wie die Helden von Gründungsmythen gewisser Kulturen, wird sie in der ersten Periode ihrer Existenz ein nomadisches Leben führen indem sie von Stadt zu Stadt reist und an das Publikum Fragen über Identität, Territorium, Grenzen und Zugänglichkeit richtet.
Auf diese Weise führt das Werk sein Wanderleben fort in der Erwartung sich eines Tages in der Cité wiederzufinden, in dem Saal für den sie ursprünglich entworfen worden ist.

Serge Aimé Coulibaly gefilmt, in den Sälen des Palais

La Condition Publique © Awatef Chengal

Serge Aimé Coulibaly gefilmt, in den Sälen des Palais

La Condition Publique © Awatef Chengal